Fruktoseunverträglichkeit

Es gibt zwei Formen der Fruktoseunverträglichkeit, die hereditäre und die intestinale. Erstere ist eine Erbkrankheit und erfordert eine strenge, dauerhafte Diät. Die intestinale ist die häufigere Form und wird im laufe des Lebens erworben. Oftmals ist sie, wie bei mir auch, mit der Laktoseunverträglichkeit gekoppelt. Ich möchte ich mich auf die erworbene Form konzentrieren, da die Lebensmittelauswahl dadurch auch nicht so stark eingeschränkt ist und ich auch meine eigenen Erfahrungen wiedergeben kann.

Wie geht ihr vor, wenn bei Euch die intestinale Fruktoseunverträglichkeit festgestellt wurde? Als erstes müsst ihr Euch für etwa zwei bis drei Wochen streng fruktosearm ernähren, um den Darm zu beruhigen. Das ist erst einmal eine Herausforderung,  aber gar nicht so schlimm, wie ich dachte. Für diese Zeit habe ich auch Rezeptvorschläge für Euch. Die Beschwerden werden vermutlich relativ schnell besser und das ist doch Anreiz genug. Oftmals nutzt es, parallel dazu eine Darmsanierung mit Darmbakterien zu machen, bei mir waren durch die Unverträglichkeiten keine guten Bakterien mehr im Darm. Auch Folsäure und Zink  sollte man als Ergänzung zuführen (ggf. den Arzt fragen).

Nach der Karenzzeit sollt und müsst ihr sogar nach und nach testen, welche Lebensmittel Euch bekommen und welche nicht. Am besten fügt ihr jeden Tag etwas Neues dazu. Und nicht gleich übertreiben, immer erst nur kleine Portionen testen. Ich habe gedacht, alles sei wieder ok und größere Gemüseportionen gegessen. Prompt kamen die Beschwerden zurück. Obst ist bekömmlicher, wenn man es als Nachspeise isst, gesüßt mit etwas Traubenzucker und Quark oder Joghurt dazu. Ich liebe ja laktosefreien griechischen Joghurt, ich mache mir etwas Traubenzucker hinein und ein paar frische Beeren, sehr lecker. Oder ich esse ihn pur mit etwas Reissirup.

Sorbit sollte übrigens auch so gut es geht vermieden werden. Denkt hierbei auch an Tabletten, Nahrungsergänzungsmittel und Zahnpasta. Ich habe mich mal umgesehen, bisher habe ich Ajona und Signal Zahmcreme gefunden, sie sorbitfrei ist. Ajona mag ich allerdings gar nicht.

Bei Weizen scheiden sich die Geister. Generell ist er fruktosearm und wird gut vertragen. Wenn bei Euch aber auch wenig Darmbakterien vorhanden sind, kann es sein, dass ihr auch Weizen nicht so gut vertragt. Nach einer Aufbaukur verbessert sich das wieder. Also einfach individuell austesten. Viele Dinkelbrote vom Bäcker enthalten übrigens Honig oder Zucker, Weizenmischbrote hingegen nicht. Es lohnt sich nachzufragen!

Hier habe ich mal eine grobe Übersicht zusammengestellt, welche Lebensmittel gut verträglich sind und welche gemieden werden sollten. Dies ist eine Richtlinie, jeder muss für sich selbst testen, was er verträgt und was nicht. Ich vertrage zum Beispiel keine Bananen, obwohl sie als fruktosearm gelten. Oder Kürbis. Alkohol ist nicht aufgeführt, weil ich keinen trinke.

Wie ihr seht,  sind doch recht viele Gemüsearten und Obstsorten fruktosearm, so dass ihr Euch bei richtiger Ernährung keine Sorgen wegen des Vitaminhaushaltes machen müsst.

Haushaltszucker und Rohrzucker kann später auch wieder in kleinen (!) Mengen in die Ernährung mit aufgenommen werden und muss nicht strikt gemieden werden, z.B. esse ich gerne Dinkeltoastbrot, da ist ja auch Zucker enthalten und ich vertrage es sehr gut.

Wenn ihr unsicher seid, sucht eine/n Ernährungsberater/in in Eurer Nähe auf, die sich gut mit Intoleranten auskennt, die Kosten werden ggf. von der Kasse übernommen (nachfragen).

 

Fruktosearm (und gut für die Karenzzeit geeignet) sind

Champignons, Spinat, Salat, Salatgurke, Schwarzwurzel, frische Kräuter, Kartoffeln (ggf. am Vortag wässern, über Nacht stehen lassen und dann kochen, ich habe Pellkartoffeln aber auch problemlos vertragen), Avocado, Oliven

Reis (kein Vollkorn), Hirse, Quinoa, feines Dinkelbrot ohne Zucker oder Honig, Polenta, Dinkelnudeln (keine Vollkorn), Amaranth, feine Haferflocken (kleine Mengen, werden nicht immer vertragen, ich vertrage sie gut), Weizen (siehe oben)

nicht mariniertes Huhn, Fisch (unpaniert, ohne Sosse usw), Garnelen und andere Meeresfrüchte ohne Zusätze, Thunfisch im eigenen Saft, Fleisch ohne Marinade, Eier, Wurstwaren ohne Zucker (Dextrose geht!)

(laktosefreie) Milchprodukte ohne Zusätze (wie Quark, griechischer Joghurt, Joghurt, Frischkäse. Käse), Hafermilch ohne Zucker, Reismilch, Dinkelmilch ohne Zuckerzusatz, Mandelmilch

Traubenzucker, Reissirup, Getreidezucker, Stevia

Kartoffelchips ohne Zusätze, Dinkelbrezeln, Maischips ohne Zusätze, Reiswaffeln (die sind aber immer recht belastet, rate ich von ab), selbstgemachtes Popcorn mit wenig Salz, Cornflakes ohne Zuckerzusatz

Wasser ohne Kohlensäure, Kräutertee, Kaffee (eine Tasse, nicht zu stark)

Pflanzenöle, Margarine ohne Milchbestandteile, Salz, Zimt, Kurkuma, Nelken

 

Als gut verträglich gelten

Papaya, Himbeeren, Ananas, Aprikose, Banane, Brombeeren, Rhabarber, Mandarine, Limette, Honigmelone, Wassermelone, Heidelbeere, Erdbeeren, Johannisbeere, Heidelbeere, Orange, Grapefruit, Ananas (Konserve, ungezuckert), Litchi, Nektarine, Pfirsich, Cranberries

Zucchini, Chinakohl, Fenchel, Erbsen, Kichererbse, Mais, Radieschen, Blumenkohl (hier wirklich nur eine ganz kleine Menge zuerst), Süßkartoffel, Mangold, Bambussprossen, Aubergine, grüne Bohnen, grüne Paprika, Mohrrüben, Sellerie, Sojasprossen, Tomaten, Broccoli, Rettich, Rote Bete, Spargel, Pfefferlinge, Ingwer, Kresse, Kürbis, Knoblauch (kleine Mengen)

Toastbrot, feines Roggenmischbrot, Grieß

Nüsse in kleinen Mengen (außer Erdnüsse), Saaten (Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne…), Chiasamen, Leinsamen, Kokosmilch

Sojasoße (ohne Zuckerzusatz). Kokosöl, Trockenhefe oder Hefe (ich vertrage Trockenhefe gut)

Tiefkühlpommes (nur mit Salz und Öl), glutenfreie Fischstäbchen (Iglu)

fruktosearme Schokolade (ich vertrage nur die zartbittere), fruktosearme Marmelade (z.B. DM), Dinkel-Hafer-Müsli mit Reissirup (Alnatura, ich vertrage nur kleine Portionen)

 

Weniger verträglich sind

Pflaumen, Sauerkirsche, Stachelbeere, Quitte

Sauerkraut (kleine Mengen vertrage ich gut), Rosenkohl, Weißkohl, Rotkohl, Zwiebeln, Wirsingkohl, gelbe und rote Paprika, Lauch, Kirschtomaten

Wurstwaren mit Zusatzstoffen/Gewürzen

sämtliche Fertiggerichte

Kidneybohnen, Linsen, Kichererbsen, weiße Bohnen, Tofu

vegetarische Aufstriche, Gemüsebrühe (ohne Zuckerzusatz), Essig

Sojamilch, Sojasahne, Sojapudding

Puddingpulver, Haushaltszucker, Rohrzucker, Kokosblütenzucker, Xylit (Achtung, für Haustiere giftig!!), Süßstoffe (bin ich kein Fan von)

 

Zu meiden sind

gekaufte Süßigkeiten jeder Art, Honig, Marmeladen, Nußnugatcreme, Fertigmüslis, Eiscreme, Marzipan, Agavensirup, Ahornsirup, Müsliriegel, Dattelsirup, Glukose-Fruktosesirup, Sorbit

Fruchtsäfte, Früchtetees, Softdrinks, Gemüsesäfte, Malzbier, Energiedrinks

Roggenvollkornbrot

Trockenfrüchte, Äpfel, Birnen, Mangos, Süßkirschen, Weintrauben, frische Feigen, Granatapfel

Erdnüsse (enthalten Sorbit), Diabetikerartikel, zuckerfreier Kaugummi

Mayonnaise, Ketchup, Fertigsoßen, Fertiggerichte, Apfelessig

 

Beispielplan

So könnte zum Beispiel ein Tagesplan aussehen und so esse ich sehr oft

Frühstück: Feiner Haferflocken in Hafermilch gekocht, dazu zwei Scheiben hellen Dinkeltoast (oder selbst gebackenes Dinkelbrot) mit laktosefreiem Frischkäse und Scheibenkäse

vormittags: Saft von 2 frisch gepressten Clementinen, etwas Knuspermüsli (mit Reissirup gesüßt) oder einen Riegel Zartbitterschokolade

Mittags: warmes Mittagessen, zum Nachtisch laktosefreier griechischer Joghurt mit Reissirup gesüßt, ein paar Pfefferminzdrops

Nachmittags: ein paar selbst gebackene Kekse

Abends: 2 Scheiben zuckerfreies Brot mit Käse oder Huhnaufschnitt ohne Zuckerzusatz, laktosefreier Joghurt mit frischen Himbeeren (oder anderem verträglichen Obst) und Traubenzucker oder eine Papaya/ Avocado